Die Geschicht Teil 2

  • Kommentare bitte wie gehabt in den entsprechenden Post schreiben. Viel Spaß beim Lesen. ^^




    Die Geschichte Teil 2


     


    Gerade hatte ich drüben an der Felswand, rechts und links vom Tor zwei Resonanzminen aufgeklebt, um dann schnell, geduckt und jede Möglichkeit einer Deckung ausnutzend, die gut 600 Meter zurück zu unserem Beobachtungsposten zu eilen. Das erste was ich sah war Andarax breites Grinsen. Klar, dass er sich über meine, jede Deckung nutzende Fortbewegungsweise lustig machte. „Du weißt schon, dass der Anzug dich für jeden, außer mir, unsichtbar macht? Warum duckst du dich also?“ „Es ist einfach die Macht der Gewohnheit, ich kann es nicht ändern.“ Knurrte ich zurück, wobei ich versuchte ihn böse zu mustern. Andarax lachte nur darüber, während er wieder seinen Beobachterposten einnahm fragte er: „Und was jetzt? Anklopfen oder überraschen?“ Ich schüttelte den Kopf, was er aber nicht sehen konnte, da er mir den Rücken zugewandt hatte, um die Felswand mit dem Tor im Auge behalten zu können. „Nein, wir warten noch bis es hier unten hell wird.“ Teilte ich ihm daher mit, während ich mich weiter hinten an die Felswand lehnte. „Gut, dann haben wir noch etwa zwei Stunden zum Ausruhen, sollte sich vorher was tun werden die Droiden uns rechtzeitig warnen. Ich mach dann solange ein Nickerchen.“ Praktisch veranlagt wie immer, Andarax wusste aus jeder Situation einen Vorteil zu ziehen.
    Eigentlich war das schon immer so gewesen. Seit wir uns vor jetzt, gut, zwei Jahren kennengelernt hatten bildeten wir ein Team, genau wie Aura und Andarax Schwester Alana. Vor etwas mehr als zwei Jahren war ich an einem Strand auf diesem Planeten erwacht, wie und warum entzog sich bis heute meinem Wissen. Zumindest eines wusste ich mittlerweile, es war zwar mein ich, aber keinesfalls mein Körper. Von Anfang an hatte ich gelegentliche Flashbacks in denen ich, bis auf einen, immer wieder an irgendwelchen militärischen Aktionen teilnahm, bisher hatte sich keine dieser Erinnerungen wiederholt. Das einzige Mal in dem es nicht um etwas Militärisches ging, war sehr verstörend gewesen. Ich hatte in einem weißen Raum, in einem Bett gelegen, um das herum lauter elektronische Geräte gruppiert waren. Undeutlich waren da zwei Personen gewesen die sich ganz sicher über mich unterhielten. Verstanden hatte ich nichts, aber es war eindeutig zu erkennen, dass sie keinerlei Hoffnung hatten. Ich selbst lag einfach nur da unfähig mich zu bewegen, dabei konnte ich auf einer Metalloberfläche mein Spiegelbild erkennen, es war eine ausgemergelte, nur aus Haut und Knochen bestehende Fratze die mir da entgegenstarrte. Und dann kam die Kälte und mit der Kälte kam das Piepsen das immer leiser wurde dann in ein langgezogenes Pfeifen überging und dann, dann war da nichts mehr. Dieses Piepsen hatte ich auch wieder gehört als ich an einem unbekannten Strand aufgewacht war, nur das mein Körper jetzt alles andere als knochig oder ausgemergelt war. Ganz im Gegenteil, ich hatte den Körper eines Athleten, muskulös und durchtrainiert, wie Conan in seinen besten Zeiten. Auch wenn ich nicht erinnerte woher ich diesen Conan kannte. Vielleicht hatten wir mal ein Bier zusammen getrunken, wobei, was war Bier? Aber egal erst mal. Ich hatte keine deutlichen Erinnerungen an vor dem Strand, es gab da nur Nebel und fragmentierte Bilder. All das, konnte ich aber irgendwie weit genug verdrängen, so dass es erst einmal nicht störte, was mich viel mehr störte, war der Fremdkörper an meinem linken Unterarm. Heute weiß ich, dass alles was dann weiter geschah einem unglaublichen Zufall zu verdanken ist. Im Sand unter mir hatte etwas gelegen das seit einer Ewigkeit gewartet hatte und jetzt durch das Ding an meinem linken Unterarm aktiv wurde. Irgendwie konnte es Einfluss auf das seltsame Implant nehmen und veränderte seine Struktur grundlegend. Seitdem hat es dafür gesorgt, dass mir das Überleben leicht viel. Ich weiß allerdings nicht ob es auch auf meine Entscheidungen Einfluss genommen hat als Aura aufgetaucht ist. Auf ihr Implant aber auf jeden Fall. Es wurde in der gleichen Weise verändert wie mein eigenes. Seit dieser Zeit sind wir beide untrennbar miteinander verbunden. Ich denke aber auch, wären unsere Implantate nicht miteinander verbunden gewesen, dass Aura nicht überlebt hätte. Ebenso weiß ich bis heute nicht ob es dann nur Zufall war das wir auf Bitrok gestoßen sind, der uns dann zur Ewigkeitsstadt brachte um die, seit Äonen dort in einem Stase Feld gefangene, ZI zu befreien und die Rekonstruktion der Ewigkeitsstadt einzuleiten.
    Vor wenigen Wochen hatte Bitrok dann eine Nachricht aus der Ewigkeitsstadt empfangen und war fast augenblicklich aufgebrochen. Seit, jetzt, fast zwei Jahren, tobte, über dem Standort der Stadt, ein gewaltiger Sturm, dessen Ausläufer sich mehr als tausend Meilen weit um das Zentrum herum erstreckten. Seine Entstehung verdankte der Sturm einer Wechselwirkung zwischen den Anlagen der Stadt und den Türmen, die an vielen Stellen weit über der Oberfläche des Planeten zu schweben schienen. Türme die augenscheinlich da waren, aber trotzdem weder geortet noch berührt werden konnten. Bitrok war dann, während einer seiner Missionen auf eine vage Spur gestoßen. Bei der Recherche zum Ursprung der Weißen, die sich angeschickt hatten den ganzen Kontinent zu erobern, hatte er irgendetwas gefunden. Niemand hatte gewusst woher die Weißen kamen, irgendwann waren sie einfach aufgetaucht. Als wären sie plötzlich aus dem Boden gequollen waren sie mitten im Kontinent aufgetaucht, hatten gnadenlos alles ausgelöscht was dort lebte und siedelte. Erst die Atten konnten ihnen nennenswerten Wiederstand leisten. Technisch hochentwickelt wiederstanden sie, seit mehr als 100 Jahren, den Angriffen der Weißen, irgendwann hatten die Atten sich über einen Fluss zurückgezogen, der sich entlang einer geologischen Verwerfung tief in den Boden gegraben hatte. Überall lag dabei, dass schwer befestigte, attische Ufer mindestens Zehn Meter höher als das Gegenüberliegende. Schwer gepanzerte und bewaffnete Züge verwandelten einen mehrere zehn Kilometer breiten Streifen entlang des gegenüberliegenden Ufers in eine potentielle Todeszone. So war der Stand der Dinge, als Bitrok die Großkoordinatorin Didia, und damit praktisch die Führung der Atten übernommen hatte.Zwischenzeitlich hatten Andarax und ich eine uralte Anlage entdeckt. Eigentlich waren wir auf der Jagd nach Sklavenjägern gewesen, die die an der Ostküste ansässige Bevölkerung terrorisierten und versklavten. Andarax hatte die Hoffnung das es einigen Leuten aus seinem Dorf gelungen war sich bis hierhin durchzuschlagen. Wie sich dann später herausstellte hatten es der Schmied und die anderen fünf tatsächlich bis in eine der Siedlungen geschafft. Dort hatten sie alle vor den Sklavenjägern gewarnt, worauf die Siedler eine bewaffnete Miliz bildeten. Gleichzeitig hatte man die Palisaden um die Dörfer verstärkt und mit ständigem Wachpersonal besetzt. Die Palisaden waren aufgrund der hier vorkommenden, sehr großen Sauropoden, extrem hoch und massiv ausgelegt, einige kleine Zusätze wie verbreiterte Wehrgänge und Zinnen waren schnell ergänzt worden. Und dann kam der Sturm, das war auch ungefähr der Zeitpunkt zu dem wir die Anlage entdeckten.
    Währenddessen hatte Aura ihrerseits einen Zugang zu der alten Anlage gefunden, die sich unter unserer Basis befand und die, was wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten, eine direkte Verbindung mit der von uns entdeckten Anlage besaß. Wenig später stellte sich dann heraus, dass Aura eine Art Verteilerstation gefunden hatte, während wir ein gigantisches Kraftwerk gefunden hatten. Durch einen Trick war es PICK ASS, unserer mobilen KI gelungen, die uneingeschränkte Kontrolle über, die die Anlage steuernde KI zu erlangen. Wie sich dann herausstellte, damit auch über Planetenweit, alle mit dem Kraftwerk verbundene Stationen und Großanlagen. Ursprünglich hatten die Konstrukteure die KI und das Kraftwerk lediglich als Redundanz System geplant und gebaut, als dann tatsächlich der Ernstfall eintrat, hatte irgendetwas verhindert, dass die KI und das Kraftwerk die ihnen zugedachte Aufgabe übernahmen. So war die Anlage für eine Ewigkeit in eine Art Dornröschenschlaf gefallen, aus der wir sie vor kurzem wiedererweckt hatten. Dummerweise hatte der Zahn der Zeit ganze Arbeit geleistet und viele Datenspeicher zerstört oder stark beschädigt. Immerhin konnten wir in Erfahrung bringen, dass die Konstrukteure nicht von dieser Welt stammten. Da es sich bei dem Planeten um eine Welt in einer sehr frühen Entwicklungsphase handelte, hatten sie es vorgezogen sich, mit der Ausnahme weniger Siedlungen, unter der Oberfläche anzusiedeln. Man wollte damit erreichen, dass sich das Leben ganz natürlich und ohne Eingriffe von Dritten entwickeln konnte. Daher hatten sie die eigentliche Steueranlage in einem riesigen Satelliten untergebracht, ebenso die meisten Industrieanlagen und die Hauptenergieversorgung. Sie hatten auch die Türme geschaffen, die überall in regelmäßigen Abständen über der Oberfläche schwebten, gedacht um die von der Raumstation erzeugte Energie gleichmäßig zu verteilen. Als zweite Komponente schwebte über jedem der Türme ein weiterer Satellit, etwa 1000 Kilometer höher, diese hatten die Aufgabe von Wächtern, die ihre Welt vor allen Bedrohungen aus dem Raum schützen sollten. Das Kraftwerk und die Steueranlage mit ihrer KI war lediglich als Ersatz vorgesehen worden, auch wenn niemand der Konstrukteure jemals in Erwägung gezogen hatte, dass dieser Ernstfall eintreffen könnte. Vielleicht war es gerade diese überhebliche Haltung gewesen, gepaart mit einer gewissen Nachlässigkeit, die dann verhinderte, dass das Redundanzsystem ansprang als der Ernstfall doch eintrat.
    Gut, das waren alles Spekulationen, zusammengereimt aus den auswertbaren Datenfragmenten. Aufgrund der zerstörten Datenspeicher gab es auch keine auswertbaren Informationen zu den eigentlichen Konstrukteuren. Was man aber mit Sicherheit sagen konnte, die Katastrophe die zum Ausfall der Steuerung geführt hatte, war Planetenumfassend gewesen. Wenn diese von außerhalb gekommen war, hatten die Wächtersatelliten versagt und diese nicht verhindern können. In der Folge war es zu tektonischen Veränderungen größerer Teile der Oberfläche gekommen, zumindest dort, wo dass Ereignis seinen Ursprung hatte, wurde in weitem Umkreis alles Leben an der Oberfläche ausgelöscht. Selbst jetzt, eine halbe Million Jahre später, waren noch Spuren davon zu finden. Die Natur hatte sich wohl recht schnell wieder erholt. Und was noch erstaunlicher schien, viele Anlagen hatten die Zeit nach der Katastrophe, mehr oder weniger gut überstanden. Nur was aus deren Konstrukteuren wurde, blieb unklar. Es ist durchaus denkbar, dass die Atten, die Völker der großen Nation und noch einige andere, Nachfahren derer waren, die die Katastrophe überlebt haben. Einige, wie die Atten und auch die große Nation haben aus den Überresten der Konstrukteure viel Wissen erlangt und gelernt es, sinnvoll zu nutzen. Irgendwie, haben wir jetzt die Vermutung, dass die, vor einiger Zeit aufgetauchten Weißen, ein uraltes Überbleibsel aus der Zeit der Konstrukteure sind. Gefunden oder geweckt, von jemand der dann seiner Entdeckung dann wohl zum Opfer fiel und die sich dann anschickte den Kontinent zu erobern. Leider war für die eroberten Völker kein Platz im Weißen Imperium vorgesehen.


    Bitrok hatte in der Folge herausgefunden, dass die Weißen keine Lebewesen im eigentlichen Sinne waren. Auch wenn sie wie ein Lebewesen, aus Knochen, Organen, Gefäßen, Nerven und Gehirn aufgebaut waren, so waren sie doch künstlichen Ursprungs. Gebaut in einer Art 3D Drucker, mit der Hilfe von hochentwickelten Nanorobotern zum Leben erweckt und für ihre Aufgabe programmiert. Allerdings erwiesen sich die Nanos der Ewigkeitsstadt, den Nanos der Weißen in jeder Hinsicht um Lichtjahre voraus. Ohne Probleme konnten sie in das Kreislaufsystem der Weißen eindringen und diese analysieren ohne von deren Nanos registriert zu werden. Auf diese Weise konnte Bitrok irgendwie den Ursprungsort der Weißen lokalisieren. Als Großkoordinatorin Didia war es dann ein leichtes für ihn, uns als Bündnispartner ins Spiel zu bringen, bevor er wieder mit der echten Didia den Platz tauschte, ohne dass es irgendwem auffiel. Didia bekam davon nichts mit, für sie war alles was Bitrok als Didia getan hatte, so als hätte sie es selbst entschieden und ausgeführt. So war es auch ganz selbstverständlich das irgendwann mit einem der Panzerzügen einige Spezialisten ihrer neuen Verbündeten eintrafen, eben Andarax, ich, und mehrere hochspezialisierte, von normalen Humanoiden nicht zu unterscheidende Droiden. Bitrok war da schon längst unterwegs zur Ewigkeitsstadt und zur ZI. Als kleine Hilfe hatte er uns jedoch einen Rochen unter dem Kommando von PICK ASS geschickt. Auras Xatox hatte von ihm das Kommando über die alten Anlagen übernommen, damit er zum Kommandanten eines neuen Rochenschiffes werden konnte. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt sind wir hier und warten, dass endlich die Sonne aufgeht, denn die Weißen hatten so ihre Probleme mit dem Sonnenlicht. Und dass es hier welche von denen gab, war als sicher anzusehen, schließlich war dies ihr Ursprungsort. Rechts und links von uns hatten sich jeweils zwanzig getarnte Droiden eingegraben. In der Felswand über uns waren vier Libellen in Stellung gegangen, ihre schweren Massegeschütze auf das Tor ausgerichtet, bereit die gesamte Anlage in eine glutflüssige Hölle zu verwandeln.
    Langsam, ganz langsam erscheint ein heller Streifen, am oberen Rand, der Felswand gegenüber.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert.


    Vor allem dann wenn sie im Verschluss eines Maschinengewehrs sitzt.



    //Hail sér pú // ok i bugum gódum // Pórr pik piggi // Odin pik eigi

  • In dem Augenblick, als der Schatten die untere Kante des Tores erreicht zünde ich die Resonanzminen. Im ersten Augenblick passiert nichts, dann scheint sich der untere Bereich der Wand plötzlich nach außen zu wölben während der obere Teil nach hinten fällt, dass alles passiert völlig lautlos innerhalb von einem oder auch zwei Liedschlägen. Dann, wie als wenn man einen Vorhang auf einmal, in seiner ganzen Länge von der Haltestange löst, fällt die Wand nach unten in sich zusammen und erzeugt dabei eine aufstiebende Staubwolke aus der man gerade noch den oberen Teil, des stehengebliebenen Tores und dessen ehemals in der Wand verborgenen Armierungen sehen kann. Dann beginnt das Tor ganz langsam nach hinten, in die Wolke hinein zu kippen, wieder wölbt sich eine Staubwolke auf, als das Tor mit einem dumpfen Schlag zur Ruhe kommt. Während der Staub sich legt, beginnt das Warten. Fünf Minuten, nichts passiert. Fünfzehn Minuten, immer noch gespenstische Ruhe. Der Staub hat sich gelegt, gegenüber in der Felswand klafft jetzt eine gut fünfzehn Meter breite und fünf Meter hohe Öffnung. Ein Teil des umgefallenen Tores ist zu sehen, soweit wie das grelle Licht Sonne in die Öffnung reicht. Dahinter ist alles in tiefstes Schwarz getaucht. Ich schaue zu Andarax, der grinst und meint dann: „Scheint so als ist niemand zu Hause. Ansonsten wäre wohl schon jemand gekommen und hätte nachgeschaut warum es so stark zieht.“ Wie sehr man sich, in mehrerlei Hinsicht, irren kann, stellte sich dann schon wenige Augenblicke später recht drastisch heraus. Andarax erhob sich gerade aus seiner Deckung um einen besseren Überblick zu bekommen, als das umgefallene Tor plötzlich in der Dunkelheit der Höhle zu verschwinden schien. Gleichzeitig wallte erneut eine gewaltige Staubwolke auf und verdeckte den Eingang diesmal vollständig. Anstatt wieder hinter seiner Deckung abzutauchen blieb Andarax stehen und nahm die Staubwolke ins Visier seiner Waffe. Im Display meiner ebenfalls auf die Höhle gerichteten Waffe zeigte sich ein aus dem Boden wachsendes metallenes Ungetüm, sechs Meter breit, vier Meter hoch, keine Ahnung wie lang, dafür bestückt mit diversen Auswüchsen und Antennen. Die erste Lektion die wir erhielten, besagte halte dich nie für unsichtbar, egal wie gut deine Technische Ausstattung auch ist. An dem >Monster< blitzte etwas auf und die Deckung hinter Andarax stand löste sich in ein Gemisch aus Feuer und auseinanderstiebenden Gesteinstrümmern auf, Andarax selbst fliegt schräg nach hinten zwischen einige große Felsbrocken. Da meine Waffe bereits auf das Ziel ausgerichtet ist, gebe ich sofort eine kurze Salve ab, und hechtete mit der Unterstützung des Anzugs Mehrere Meter nach links in eine neue Deckung, während sich meine Alte in einem feurigen Trümmerregen auflöst. Jetzt beginnen von der rechten Flanke her einige der Droiden das Feuer zu eröffnen, als das Metallungetüm sich überraschend schnell aus der Höhle schiebt. Meine Anzug KI hatte mir währenddessen mitgeteilt, dass Andarax wohl mit einem Schrecken und ein paar Prellungen davongekommen ist. Sein Anzug behebt gerade einige kleinere Schäden die er bei dem Angriff und dem daran anschließenden Freiflug davongetragen hatte. Alles in allem wenig Gravierendes wenn man davon absieht, dass die Tarnung ganz offensichtlich versagt hat. Wir waren beide gezielt unter Feuer genommen worden. Die nächste Lektion die wir zu schlucken mussten, betraf unsere Waffen. Die Droiden sind Ausrüstungsmäßig, bis auf die Tornister, genau wie wir ausgestattet. Als sie den Panzer unter Feuer nehmen zeigt sich, dass die Massegeschosse der Gewehre völlig ohne Wirkung bleiben. Dort wo die Geschosse das Metall des Panzers treffen, ist es als würden Steine auf eine Flüssigkeit treffen. Dort wo sie einschlagen entstehen mehrere sich ausbreitende Ringe, wie bei einem Stein der ins Wasser geworfen wird. Mehr passiert nicht. Dafür nimmt der Panzer, jetzt seinerseits die Droiden unter Feuer und seine Geschosse erzielen Wirkung. Sofort gibt es zwei Ausfälle und mehrere Einheiten melden mehr oder weniger starke Beschädigungen. Der Panzer hat mittlerweile die Höhle ganz verlassen und bewegt sich auf die eingegrabenen Droiden zu die nach wie vor recht erfolglos versuchen das >Monster< durch Dauerfeuer, sozusagen aus allen Knopflöchern zu stoppen. Gerade als in der Höhle ein Zweiter Panzer aus dem Boden auftaucht eröffnen endlich die schweren Massegeschütze der Libellen das Feuer. Die Wirkung stellte sich umgehend ein. Anders als bei den Geschossen der Gewehre haben die Panzer diesmal keine Chance. Treffer stanzten riesige Löcher in die Panzerung, entfalten ihr gesamtes Vernichtungspotential direkt in den Eingeweiden der Ungetüme, die durch die schnell expandierenden Gasmassen, in einem Sonnenhellen Glutball zerfetzt werden und dabei weißglühende Trümmerteile in alle Richtungen davonschleudern. Der ganze Spuk hatte nur wenige Augenblicke gedauert, obwohl es meinem subjektiven Empfinden nach eine Ewigkeit gedauert hatte. Klar, wir hatten gewonnen, aber wir hatten auch gezeigt bekommen, dass wir alles andere als unbesiegbar waren. Unsere beste Waffe, die Tarnung hatte hier zum ersten Mal kläglich versagt. Die Gewehre waren völlig ohne Wirkung geblieben. Wir hatten einen unserer Droiden verloren. Ein Volltreffer hatte die Systeme des Anzugs überlastet, die reaktive Panzerung versagen lassen und den Droiden zerfetzt. Ein zweiter war so stark beschädigt worden, dass die Reparatur zwar möglich, aber ohne Werkstatt mit großem, Replikator, sehr lange dauern würde. Alle anderen Einheiten waren mehr oder weniger unbeschädigt geblieben. Von den beiden Panzern war nicht allzu viel übriggeblieben, einige ausgeglühte und verbogene Metallteile, die verstreut im Gelände lagen waren alles. Andarax hatte Glück gehabt, bei einem direkten Treffer wäre es fraglich gewesen ob ihn der Anzug vor schweren Verletzungen geschützt hätte. So war er mit ein paar blauen Flecken davongekommen und der Erkenntnis, dass es durchaus sinnvoll war, sich so zu bewegen als hätte man keinen Anzug, der einen normalerweise unsichtbar machte.
    „Du kannst allen deinen Göttern danken, dass hätte auch böse ins Auge gehen können. Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich mich bewege als hätte ich keinen Anzug an?“ Andarax kam gerade auf mich zu und wirkte dabei ein wenig zerknirscht. „Ja, du hattest recht, in Zukunft werde ich es beherzigen.“ Kam von ihm leise die Antwort und schräg grinsend setze er hinzu. „Einmal Kopfschmerzen reicht, glaub mir, nochmal will ich nicht so durch die Luft segeln. Alle Anzeigen im Helmdisplay waren gelb. Trotzdem, wie konnten die uns sehen?“ „Das werden wir hoffentlich rausfinden, wenn wir die Anlage untersuchen. Ach ja, scheinbar hatte doch wer gemerkt, dass es zieht und ich glaube mal, derjenige ist jetzt nicht unbedingt erfreut darüber, zumal die die er zum Nachsehen geschickt hat, eher nicht mehr Bericht erstatten können.“ Wie sich herausstellte konnte Andarax schon wieder lachen, also hatte er den Schreck verdaut. „Aber erzähl das bitte nicht meiner Schwester. Die zieht mir sonst die Ohren lang.“ Meinte er dann auch gleich grinsend. Auf meinem Helmdisplay lief eine kurze Nachricht von PICK ASS ein, der mit dem Rochen außer Sichtweite über uns schwebte. Ich hob kurz die Hand um Andarax, der gerade noch was sagen wollte zu unterbrechen. Stumm und fragend blickte er zu mir. „PICK ASS meldet gerade, dass er unter dem Berg so etwas wie energetische Aktivität geortet hat. In dem Augenblick als die Resonanzminen den Eingang freigelegt haben, müssen sie dabei eine Abschirmung zerstört haben. Die Anlage ist wohl doch um einiges größer als Bitrok angenommen hat, vor allem wird es mehr Eingänge geben, als nur diesen einen. Mehr kann er von da oben nicht feststellen, da er nur über diese kleine Öffnung orten kann. Möglicherweise gibt es aber einen weiteren kleineren Zugang, weiter westlich bei dem die Abschirmung teilweise defekt ist. Zumindest ist die Signatur so ähnlich wie hier nur um einiges schwächer. Er meint, dass könnte die Stelle sein an der damals derjenige die Anlage betreten hat, der die Weißen aufgeweckt hat.“ Andarax überlegte kurz. „Dann sollten wir diesen Eingang verschließen, der explodierte Panzer hat den Aufzug wohl beschädigt und unbrauchbar gemacht. Was wir nicht wissen ist, ob der Aufzug nochmal repariert werden kann. Was meinst du, wie sollen wir vorgehen?“ Jetzt war ich es der kurz überlegte. „Gut, wir lassen die meisten Droiden und die Libellen hier, sie sollen den Eingang bewachen und nach Möglichkeit verhindern, dass da wieder was rauskommt. Wir schauen uns die Stelle im Westen an, wenn wir da in die Anlage rein können dann werden wir später diesen Eingang für immer dichtmachen. PICK ASS wird uns bei Bedarf mit weiteren Droiden versorgen. Bis dahin hoffen wir erst mal, dass sich da unten keiner erkältet, weil es so zieht.“
    PICK ASS hatte uns wenig später, abgeholt. Jetzt gerade hatte er uns an der Stelle abgesetzt, an der er den zweiten Eingang vermutete. Wir standen auf einem kleinen Plateau, etwa fünfzig Meter über einem kleinen Fluss, der sich hier tief ins Gestein der Berge gefressen hatte. Über einen kaum sichtbaren Trampelpfad konnte man von hier aus bis hinunter zum Fluss gelangen. Das Plateau war irgendwann in der Vergangenheit viel größer gewesen, irgendwann hatte ein Felsrutsch einen großen Teil in die Tiefe gerissen und dabei etwas freigelegt, dass viel zu regelmäßig wirkte um natürlichen Ursprungs zu sein. Und richtig, hier gab es einen Eingang. Der Felsrutsch hatte eine massive Tür, sowie ein gut fünf Meter langes Stück des dazugehörigen Ganges freigelegt, dass nun, wie ein kurzer viereckiger Finger, aus dem Hangragte. Ob es das gleiche Ereignis gewesen war, dass die Tür des Ganges, wie einen Korken, tief in eben diesen Gang gedrückt hatte und die dabei ein etwa zwei Meter langes Stück des Gangbodens herausbrach, würde wohl ungeklärt bleiben. Die Tür war immer noch fest geschlossen, was den immer noch intakten Ortungsschutz erklärte, allerdings konnte man jetzt einfach unter der Tür durchgehen, sich durch den fehlenden Boden in den Gang dahinter ziehen und war in der Anlage. Dabei bemerkte ich ein feinmaschiges Netz, das überall aus der Bruchkante heraushing, bestückt mit einigen Brocken, die aus etwas wie Beton bestehen zu schienen. Bisher hatten alle Anlagen die wir kannten aus so etwas wie gießbarem Granit bestanden, der mit einer speziellen multifunktionellen Schicht versiegelt worden war. Einen Baustoff wie diesen Beton hatten wir bisher nicht gefunden. Eine kurze Analyse zeigte, dass es sich tatsächlich um Beton handelte, allerdings gab es keine Metallarmierung. Diese Aufgabe übernahmen hier wohl eine Art Kohlenstoffasern. Die KI stellte bei einem theoretischen Vergleich fest, dass dessen Festigkeit und Beständigkeit um ein vielfaches höher war, als der Stahlbeton den ich kannte. Das seltsame Netz hatte wohl mit der Abschirmung zu tun, denn nur durch die im Eigangsbereich vorhandene Lücke konnten wir nach draußen orten. Irgendwann hatte es wohl auch eine Beleuchtung gegeben, zumindest waren an den Wänden Platten verbaut die die KI als Leuchtkörper identifizierte. Was fehlte war die Energie zum Betrieb der Leuchtplatten. Der Gang vor uns führte etwa fünfzig Meter weit in den Berghang hinein und machte dann einen Knick nach rechts. Überall gab es Ablagerungen auf dem Boden, ab und zu waren auch Knochenreste und tierische Exkremente auf dem Boden verteilt, dass ließ darauf schließen, dass es sich hier einige Raubtiere gemütlich gemacht hatten. Da wir aber auf keine frischen Spuren stießen ging ich davon aus, dass wir momentan nicht mit irgendwelchen unbekannten Kreaturen rechnen mussten. Nachdem wir nach den ersten noch drei weiteren rechtwinkligen Gangwindungen passiert hatten erreichten wir einen weiteren unbeleuchteten Gangabschnitt, durch den sich breite Risse zogen, jetzt war auch klar, warum die Leuchtplatten nicht mehr mit Energie versorgt wurden. Die Leitungen waren hier unterbrochen worden als irgendetwas den Gang schwer beschädigt hatte. Allerdings nirgends so stark, dass dabei das, extrem dehnbare, Netz komplett zerstört wurde. Das war nur an mehreren Stellen eingerissen und in die Länge gezogen, ansonsten aber intakt. Nachdem wir vorsichtig die gut dreißig Meter beschädigten Ganges, sowie weitere zwanzig Meter unbeschädigten Gang hinter uns gelassen hatten, stießen wir auf eine Stahltür, die wohl ein wenig eingerostet war. Ein gewaltsames öffnen verbot sich von selbst, also probierten wir es mit, drücken, schieben und dazwischen immer wieder mit diversen Flüchen. Als wir die Tür dann endlich nachgab und wir realisierten was da vor uns lag, blieben wir wohl erst einmal mit offenem Mund stehen. Wir standen auf einer Galerie, von der aus wir in eine gigantischen Raum blicken konnten. So gewaltig, dass von unserem Standpunkt aus nicht zu erkennen war wo diese Halle endete und ob sie auch Wände besaß. In unregelmäßigen Abständen erhoben sich riesige Säulen vom Boden bis zur Decke. Von hier oben war es als blickten wir auf ein Gigantisches Materiallager, bestehend aus unzähligen Hochregalen, unregelmäßig von großen Baracken oder Gebäuden unterbrochen. Und nirgends gab es Licht. Doch dank der Technik unserer Anzüge, war für uns, auch hier unten, heller Tag. Da die Abschirmung eine Aktive Ortung nicht zuließ und die passive versagte konnten wir die Größe der Anlage nicht einmal annähernd schätzen. Links von uns musste irgendwo der zerstörte Eingang liegen. Von hier aus konnten wir nirgends irgendwelche Bewegungen erkennen, die Sensoren entdeckten auch nirgendwo irgendwelche laufenden Aggregate. Also blieb uns wohl nichts Anderes übrig als die ganze Anlage Stück für Stück zu untersuchen. Nur war das alleine nicht zu schaffen.
    Wenige Stunden Später richteten wir ein provisorisches Lager auf der Galerie ein. PICK ASS hatte uns mit einer Hundertschaft Droiden und noch mehr Flugdrohnen versorgt. Jetzt trafen auch nach und nach, erste Meldungen von Drohnen ein, die wir noch bevor wir anfingen das Lager ein zurichteten, losgeschickt hatten, um die Halle zu erkunden. Es schien sich hier tatsächlich um ein gigantisches Lagerhaus zu handeln. In unregelmäßigen Reihen standen hier ins riesenhafte vergrößerte Hochregale, mit verschieden großen und hohen Unterteilungen. Es wirkte wie eine unfertige Stadt aus Wolkenkratzern, bei denen man einfach die Wände weggelassen hatte. Auf den einzelnen Stockwerken stapelten sich Kisten und Container in jeder erdenklichen Form und Größe. Allerdings gab es auch tatsächlich, ab und zu, so etwas wie ganze Wolkenkratzer die zwischen die Regalen gebaut worden waren. Und immer noch herrschte Zwischen den Regalen, wie auch hier oben auf der gut zwanzig Meter breiten Galerie, eine unheimliche Ruhe. Nur unterbrochen von den Droiden, die dabei waren, den Eingangsbereich in eine Art geschützten Brückenkopf verwandelten. Wir hatten zwei der gewaltigen Mehrzweckroboter aus dem Kraftwerk mitgebracht, die gerade dabei waren, den stark beschädigten Zugangsweg zu erneuern und zu vergrößern, um einen schnellen und sicheren Zugang zu der Anlage zu gewähren. Statt dem ursprünglichen Beton bestanden Boden, Decken und Wände, jetzt aus feinkörnigem rötlichen Granit, Überzogen von einer transparenten Versiegelung. Die selbe Versiegelung befand sich nicht nur auf den Innenflächen, genaugenommen wurde die Granitschicht irgendwie in die Versiegelung eingebettet. Irgendwann würde ich mir das genau ansehen, Momentan hatten wir andere Prioritäten. Gerade kam Andarax von einer ersten Erkundung der Galerie zurück. „Wir haben was gefunden, es müssen irgendwann tatsächlich Leute hier eingedrungen sein, etwa zehn Kilometer weiter haben wir ein altes Lager gefunden. Scheint ein Vorratslager gewesen zu sein. Laut Analyse ist das ganze etwa zweihundert Jahre alt. Das Lager war, bis auf einen Haufen verdorbenen Vorräte und einigen Fässern mit so etwas wie Öl für Lampen leer, ach ja ein paar Gewehre und eine Menge Munition dafür gab es auch noch. Ansonsten ist es überall wie hier. Kein Licht, keine Energie, kein Leben.“ Er zuckte nochmal mit den Schultern, so als wollte er seine Ratlosigkeit nochmals unterstreichen. „Ich mach jetzt erst mal Pause, weck mich wenn was ist.“ Dann drehte er sich um und ließ mich stehen.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert.


    Vor allem dann wenn sie im Verschluss eines Maschinengewehrs sitzt.



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  • wie dir das alles einfällt - bei mir wäre schon nach 2 zeilen schluss

    Dafür bin ich echt schlecht wenn es um 3D Modelle geht.


    Aber seit doch bitte so nett und packt Kommentare in den entsprechenden Threat rein. Ist einfach besser, da man dann die Geschichte dann am Stück lesen kann und nicht suchen muss wo es weitergeht.


    Die Fortsetzung kommt im Laufe der Woche.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert.


    Vor allem dann wenn sie im Verschluss eines Maschinengewehrs sitzt.



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  • OK, damit hatten wir die Bestätigung, dass irgendwann, jemand die Anlage entdeckt und mit einer größeren Gruppe begonnen hatte, die Anlage zu erforschen. Da das Lager aber seit langem unbenutzt in der Gegend stand hatte eine genaue Untersuchung noch etwas Zeit. Jetzt galt es erst mal herauszufinden, was wir hier vor uns hatten. Mittlerweile lagen ersten genaueren Messungen vor. Auch wenn es mir sehr schwer fiel dem Ergebnis wirklich Glauben zu schenken. Wir befanden uns in einer quadratischen Höhle oder besser noch, einer Halle deren Seitenwände jeweils 120 Kilometer Länge hatten. Die Decke befand sich an ihrer niedrigsten Stelle 1000 Meter über dem Boden, in der Mitte der Halle lag dieser bei fast 3000 Metern. In der Mitte der Halle gab es eine große quadratische Freifläche mit jeweils zehn Kilometern Kantenlänge. Breite, grade Straßen, ausgehend vom quadratischen Platz in der Mitte, erlaubten einen schnellen Zugang, zu jedem der gewaltigen Türme die die Straßen säumten. Von oben gesehen hatte man den Eindruck auf ein gewaltiges Mühlespiel zu schauen nur, dass es hier mehr Linien gab als auf einem regulären Spielbrett. So gesehen hatten wir das Spielfeld etwa 20 Kilometer von der linken unteren Ecke betreten. Damit lag der erste von uns gefundene Zugang nicht in der Halle. Der lag noch einmal gut zehn Kilometer weiter entfernt, was allerdings nicht hieß, dass es von hier aus keinen Zugang gab. Jetzt ging es aber erst einmal darum zu klären was wir da eigendlich vor uns hatten.


    Das war jetzt einer der Momente wo ich mich irgendwie hilflos fühlte. Ich weiß nicht wer ich bin, geschweige denn wo ich bin. Genauso unklar sind die Vorgänge um mich herum. Vom ersten Moment meines Erwachens am Strand hatte ein Rätsel das nächste abgelöst. Nur, dass wenn ich glaubte eine Lösung gefunden zu haben, wenn auch nur ansatzweise, gleich darauf ein neues noch verworreneres Rätsel auftauchte. Irgendwie wusste ich aber auch, dass wenn ich jetzt aufgeben würde, ich die Antwort auf meine drängendsten Fragen, wer ich bin und wo ich bin, nie finden würde.Ich gab mir einen Ruck. Jetzt war keine Zeit, ein Burnout zu bekommen und danach in Depressionen zu versinken. Jetzt, war es erst einmal wichtig das momentan anstehende Rätsel zu lösen, dass uns diese Halle aufgab. Außerdem waren da immer noch die Weißen, die zwar im Moment keine Gefahr darstellten, aber, die in der Vergangenheit oft genug bewiesen hatten, dass wenn man sie vernachlässigte, sich dies als unverzeihlichen Fehler herausstellte. Zwei schnelle Schritte und ich hatte das nächste Terminal vor mir. Der neue Zugang war fertig, ebenso die Verteidigungsstellungen für den Fall, dass wir schnell den Rückzug antreten mussten. Jetzt hatten wir endlich auch eine ausfallsichere Kommunikationsleitung nach draußen zu PICK ASS. „PICK ASS, bitte verbinde mich mit Großkoordinatorin Didia. Ich denke es ist an der Zeit unser Verbündeten mit einzubeziehen, schließlich ist das hier ihr Erbe. Außerdem bin ich gespannt auf die neuen Luftschiffe. Bitrok hat ja gute Vorarbeit geleistet.“ Wenige Augenblicke später schaute ich in das verschlafene Gesicht der Großkoordinatorin. „Ah, Stein. Sie haben also den Ursprungsort der Weißen gefunden, nehme ich an?“ Mit einem Schlag war die Müdigkeit in ihrem Gesicht verschwunden und ich hatte ihre volle Aufmerksamkeit. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir den Ursprungsort haben … .“ „Wenn sie Wahrscheinlich sagen, heißt das dann wohl, sie wissen es nicht genau?“ Unterbrach sie mich. „Ganz sicher können wir nicht sein, alle Spuren führen zwar hier hin aber bisher haben wir noch keinen Weißen zu Gesicht bekommen, dafür aber eine ganze Menge neuer Rätsel gefunden.“ PICK ASS spielte Aufnahmen des kurzen Gefechts mit den beiden Panzern ein, dann Bilder von der Entdeckung des Einganges zur Halle und schließlich Aufnahmen aus der Halle selbst. Auch wenn Didia sich sehr gut im Griff hatte, als PICK ASS die Maße der Halle in die Skizze einfügte, konnte man kurz so etwas wie Fassungslosigkeit über ihre Züge huschen sehen. Dann hatte sie sich wieder im Griff. „Wir wissen, dass vor uns schon jemand den Zugang gefunden hat und die Halle erforschen wollte. Wir haben auf der, die Halle umlaufenden Galerie, ein altes Materiallager gefunden, etwa 200 Jahre alt. Das deckt sich ungefähr, mit dem Zeitpunkt, an dem die Weißen, erstmalig in Erscheinung getreten sind. Es ist also ziemlich Wahrscheinlich, dass wir ihren Ursprung hier suchen müssen. Dass die Biodrucker jetzt an anderer Stelle zu finden sind hat dabei nichts zu sagen, die sind wie wir wissen, durchaus transportabel und ich glaube nicht, dass wir alle gefunden und neutralisiert haben. Ich gehe davon aus, die ersten Luftschiffe sind startklar, so dass sie eigene Wissenschaftsteams in Marsch setzen können?“ Die Großkoordinatorin nickte einmal kurz zur Bestätigung. „Ja, die drei ersten Luftschiffe konnten wir, dank ihrer Hilfe, vor kurzem fertigstellen. Es sollte als möglich sein. Ich werde alles Nötige veranlassen, damit die Luftschiffe so schnell wie möglich starten können.“


    Bitrok war in seiner Rolle als Didia, auf einen jungen Ingenieur, Katlus, aufmerksam geworden. Dieser hatte eine alte Idee aufgegriffen, an der sich eine Generation zuvor einige der großen Wissenschaftler der Atten versucht und dabei gescheitert waren. Daraufhin waren alle Forschungsprojekte in dieser Richtung als „nicht durchführbar“ eingestellt worden. Katlus hatte es jedoch trotzdem geschafft einige flugfähige Modelle zu konstruieren. Bitrok hatte als Didia dafür gesorgt, dass die Forschung, unter Katlus Führung, wiederaufgenommen wurde. Später als Bitrok wieder mit Didia getauscht hatte, bot sich ihm dann die Gelegenheit, Hilfe bei Forschung und Materialbeschaffung für die Luftschiffe anzubieten. Innerhalb kürzester Zeit flog dann ein erster Prototyp. Bitrok hatte angeboten, dass im Rahmen der gegenseitigen Zusammenarbeit neben Rohstoffen auch Spezialisten ausgetauscht werden. So kam es, dass in Katlus Team jetzt zwei von Bitroks Androiden mitarbeiteten. Da die beiden „Spezialisten“, mit ihren Frauen und weiteren Fachleuten nach Atten gekommen waren, um sich hier niederzulassen und zu arbeiten, sollte es niemand geben, der auf die Idee kommen könnte, es würde sich bei den Wissenschaftlern nicht um Lebewesen handeln. Wobei es wohl, auch wenn man einen der Androiden aufgeschnitten und zerlegt hätte keinem aufgefallen wäre, einen Androiden seziert zu haben. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich so, ein reger Austausch von Waren aller Art. Vereinfacht wurde das ganze dadurch, dass die Atten eine kapitallose Gesellschaftsstruktur in Form einer anarchischen lebenden Zivilisation gebildet hatten. Es gab weder Geld noch andere Zahlungsformen. Das betraf nicht nur die Atten, keine der hier lebenden Zivilisationen hatte ein kapitalistisches System entwickelt. Es gab Kulturen, die andere Völker versklavten, um deren Arbeitskraft für sich zu nutzen. Was aber bei fast allen hochentwickelten Völkern, wie den Atten oder auch der großen Nation auf extreme Ablehnung stieß und bekämpft wurde. Einige positive Nebeneffekte dieser Lebensweise waren zum Beispiel, dass die Kriminalitätsrate sehr niedrig lag, Armut und Arbeitslosigkeit kannte man hier nicht, da es auch kein Patentrecht oder zu teure Forschung gab, waren alle diese Bereiche weit fortgeschritten. Jeder entschied selbst über das was er tat. Ja, es gab auch Polizei und Militär. Jeder der zum Militär oder zur Polizei ging hatte sich vorher, ausdrücklich, bereit erklärt sich allen Weisungsträgern unterzuordnen. Diese Verpflichtung musste in bestimmten Zeitabständen ebenso ausdrücklich erneuert werden. Die Staatslenkung erfolgte durch die sogenannten Koordinatoren die sich wiederum dem Großkoordinator unterordneten. Die Kontrolle der Führung oblag der großen Volksversammlung, die auch die Koordinatoren wählte. Die hatten dann die Aufgabe die verschiedenen Bereiche des alltäglichen Lebens zu koordinieren. Eine Gesetzgebung gab es nicht, das Zusammenleben wurde ausschließlich von wenigen Regeln bestimmt, deren einfachste Definitionen lauteten: „Was du nicht willst das man dir tu, dass füge auch keinem anderen zu.“ „Die Starken stützen die Schwachen.“ „Jeder trägt seinen Teil zum gemeinsamen Zusammenleben bei.“ So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass es weniger als zwei Jahre dauerte, aus der Idee heraus voll funktionstüchtige Luftschiffe zu entwickeln und zu bauen. Die Frage nach den Kosten entfiel dabei völlig. Vor allem dann, wenn man dazu noch Fachpersonal und passende Materiallieferungen erhielt.


    Didia hatte die Verbindung mit Stein beendet. Ohne lang zu zögern stellte sie eine Verbindung zu ihrer rechten Hand, Tarles her. „Stein hat mich gerade kontaktiert, sie haben eine riesige Anlage gefunden, allerdings ist noch nicht ganz klar ob in der Anlage auch der Ursprung der Weißen zu finden ist. Jedenfalls hat Stein um Unterstützung gebeten und ich habe ihm diese zugesagt. Gehe bitte zu Koordinator Nubara, sage ihm, dass es Arbeit für sein Expeditionscorps gibt. Sie sollen sich für eine größere Forschungsexpedition bereitmachen. Ist das erledigt, begibst du dich zu Koordinatorin Tutula, sie soll die drei neuen Luftschiffe startklar machen, sie werden von Nubara‘s Expeditionscorps gebraucht. Sie liegt mir dauernd in den Ohren, dass es endlich angebracht wäre die Luftschiffe im Einsatz zu testen, jetzt gebe ich ihr die Möglichkeit dazu.“ Tarles gab mit einem kurzen Nicken zu verstehen, dass er verstanden hatte. Sofort als Didia die Verbindung beendete, stellte er eine Verbindung zu Nubara’s Sekretariat her. „Grüß dich Nunja, Großkoordinatorin Didia hat Arbeit für das Expeditionscorps. Sag bitte Nubara, dass ich ihn gleich in Tutula’s Büro erwarte.“ Tarles konnte die Neugier in Nunja’s Augen sehen und schüttelte verneinend mit dem Kopf. „Später Nunja, später. Ich habe keine Zeit um dich einzuweihen, dass macht nachher mit Sicherheit Nubara. Ich muss los.“ Tarles schaltete nachdenklich ab. Während er sich auf den Weg zu seinem nächsten Ziel machte dachte er an die Ereignisse der letzten Monate nach. Es war schon verrückt. Bis vor einem Jahr hätte er die Anweisungen noch per Telefon weitergegeben, ohne sein Gegenüber dabei sehen zu können. Die Zusammenarbeit mit den neuen Verbündeten hatte die technische Entwicklung um Jahrzehnte, wenn nicht gar um Jahrhunderte vorangebracht. Hatte es vor dem Bündnis noch so ausgesehen, dass die Atten für eine Ewigkeit mit dem Abwehrkampf gegen die Weißen leben würden, hatte der Kontakt mit Botschafter Bitrok alles verändert. Mit einem Schlag war die bis dahin herrschende, Rohstoffknappheit vorbei, zwar hatte man zu diesem Zeitpunkt schon ein Bündnis mit der großen Nation geschlossen, die den Atten hochentwickelte Abbau- und Verhüttungstechnik sowie Personal zur Verfügung gestellt hatte. Aber bis diese Anlage betriebsbereit und dann die ersten Produkte aus den angeschlossenen Werkstätten und Fabriken nach Atten gelangt wären, hätte es noch mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gebraucht. Die neuen Verbündeten lieferten innerhalb kürzester Zeit. Und nicht nur hochwertigere Rohstoffe. Sie brachten auch völlig neue Technik und vor allem, auch das entsprechendes Personal mit nach Atten. Die neuen Verbündeten schickten Gruppen Wissenschaftler nach Atten um die Forschung in allen bekannten und auch vielen neuen Bereichen voranzubringen. Die neuen Luftschiffe, so wie die Kabellose Kommunikation waren nur zwei Beispiele dafür wie gut und schnell das ging. Dann schickten sie einige Spezialeinheiten die Atten im Abwehrkampf mit den Weißen unterstützten. Mit der Hilfe dieser Unterstützung gelang es erstmals die Weißen zurückzudrängen und dann vor einigen Wochen schließlich, bis ins Gebirge weit hinter die ehemalige Grenze Antaras zurückzuschlagen. Leider existierten von der Antarischen Zivilisation nur noch die Ruinen ihrer Städte und Dörfer. Von den Antarern selbst fehlte jede Spur. Eine der Spezialeinheiten unter dem Kommando Stein’s war den Weißen in die Berge gefolgt um etwas über ihren Ursprung herauszufinden. Und jetzt hatten sie etwas gefunden, bei dem sie die Hilfe des neuen Expeditionskorps brauchten. Und er würde gleich dafür sorgen, dass sich das Corps mit den neuen Luftschiffen auf den Weg machte. Bisher hatte Tarles die Luftschiffe nur in unfertigem Zustand aus der Ferne gesehen. Diesmal würde er sie nicht nur aus der Nähe sehen, er würde als Verbindungsmann mitfliegen. Mit diesen Gedanken öffnete er die Tür zu Tutula‘s Büro. Nubara und Tutula standen mit dem Rücken zu ihm am Fenster und schauten auf etwas, dass draußen geschah. Tutula drehte sich langsam um, so als könnte sie sich nicht sofort von dem losreißen was vor dem Fenster ablief. „Ah, Tarles. Du bist schnell, wir haben noch nicht mit dir gerechnet. Komm ans Fenster, unten marschiert gerade das Corps zu den Luftschiffen. Sie üben gerade, dass Ein- und Ausschiffen.“ Tarles trat zu den beiden ans Fenster und blickte hinaus. Sie befanden sich etwa fünfzig Meter über dem riesigen Landefeld, dass man extra für die Luftschiffe geschaffen hatte. Die Luftschiffe schwebten wie drei riesige Silber- und Goldfarbene Riesenzigarren in der Mitte des großen Platzes. Jede der Zigarren hatte eine Länge von fast 400 Meter und einem Durchmesser von 40 Meter. Bei jedem der Ungetüme ragte etwa in der Mitte der Unterseite eine gut zehn Meter breite und dreißig Meter lange Rampe vom Rumpf zum Boden. Hinten hatten die Schiffe ein großes vierflügeliges Leitwerk, dessen unterer Flügel mit der Kante auf dem Boden stehen zu schien. Jeder der Leitwerkflügel hatte etwa in der Mitte eine Zylinderförmige Verdickung die in einer Lamellenartigen Öffnung nach hinten auslief. Kurz bevor sich der Zylinderförmige Rumpf des Luftschiffes nach vorne zur Spitze verjüngte ragten zwei weitere Flügel rechts und links aus dem Rumpf, diese hatten ebenfalls eine Zylinderförmige Verdickung, diesmal allerdings fast am Ende des, etwa Fünf Meter langen Flügels. Vor jeder Rampe hatten sich jeweils dreihundert Mann des Expeditionscorps aufgestellt, immer sechs Mann nebeneinander und fünfzig Mann dahinter. Im Laufschritt ging es dann die Rampen rauf in die Bäuche der Luftschiffe hinein und wenige Minuten später wieder aus dem Bauch über die Rampe zurück aufs Landefeld. Fasziniert schaute Tarles mehrere Minuten lang zu. „Ich zähle dreihundert Leute vor jedem Schiff. Wie viele Leute kann so ein Schiff überhaupt tragen?“ Wandte er sich dann an Tutula ohne dabei den Blick von dem Geschehen auf dem Landefeld abzuwenden. „Mehr als das Dreifache, wenn es drauf ankommt.“ Kam es von Tutula zurück, die sich ebenso wenig wie er von dem Schauspiel lösen konnte. „Allerdings kann dann nichts Anderes mehr zugeladen werden. Da aber auch noch einiges an Ausrüstung mit muss, müssen wir mit allen drei Schiffen fliegen. Wir haben zwar noch ein Schiff, dass so gut wie fertig ist, aber das ist als Reserve vorgesehen, für den Fall, dass eines der Schiffe ausfällt. Die verantwortlichen Ingenieure haben mir aber versichert, dass so etwas nicht passieren wird.“ Irgendwann gelang es den drei doch sich von dem Schauspiel vor dem Fenster abzuwenden. Mit wenigen Schritten begaben sie sich zu einer gemütlichen Sitzecke in der Nähe. Fragend blickte Tales zu Nubara. Der räusperte sich kurz. „Bis heute Abend sind alle Leute und die Ausrüstung an Bord. Dann kann es eigendlich losgehen. Mandrack hat seine Befehle, alle Teilnehmer haben sich verpflichtet den Anweisungen Folge zu leisten solange die Expedition dauert. Die Verpflichtung erlischt diesmal erst, wenn die Expedition abgeschlossen und die Ergebnisse ausgewertet sind und wirklich keine Fragen mehr offen sind. Das ist eine Abänderung der Regel, ich weiß, aber alle haben sich damit einverstanden erklärt, denn es könnte sein, dass ein weiterer Einsatz nötig wird bis endlich alle Daten beisammen sind. Als Didias direkter Vertreter sind sie wohl derjenige der das Sagen hat.“ Tales nickte kurz. „Ja, allerdings obliegt die Leitung etwaiger militärischer Einsätze weiterhin Mandrack, solange die Expedition unterwegs ist. Am Zielpunkt geht die Befehlsgewalt dann auf Stein über, bis zu Rückflug. Aber ich denke, das haben sie bereits mit Mandrack geklärt.“ „Ja, er weiß Bescheid.“ Nachdem alles soweit geklärt schien Stand Tarles auf und verabschiedete sich von den beiden Koordinatoren. „Ich glaube ich gehe besser packen, wenn wir morgen in aller Frühe aufbrechen wollen. Ich werde der Großkoordinatorin Bericht erstatten und mich dann an Bord des Führungsschiffes einfinden.“ Mit diesen Worten ging Tarles zur Tür. Drei Stunden später betrat er mit seinem Koffer in der Hand die Rampe die in den Bauch des mittleren Luftschiffes führte. Oben wurde er schon von Mandrack, einem kahlköpfigen dunkelhäutigem Riesen, der auf seinem Gesicht ein breites Grinsen zur Schau stellte, erwartet. „Ich dachte, ich warte hier auf sie und zeige ihnen ihre Kabine.“ Er streckte Tarles die Hand zur Begrüßung entgegen. Mandrack hatte einen festen Händedruck und war Tarles auf Anhieb sympathisch. Bei den Muskelpaketen die Mandrack zur Schau stellte hätte Tarles erwartet, nach dem Handschlag, seine Hand nie wieder benutzen zu können. An dem Mann gab es nicht ein Gramm Fett zu viel, dazu kamen seine nicht gerade unerhebliche Größe und ein Kreuz hinter dem sich Tarles dreimal verstecken konnte. Tarles selbst hatte sich immer als einen sportlichen, muskulösen Typ gesehen, aber neben dem über zwei Meter großen und in den Schultern fast ebenso breiten Mandrack kam er sich vor wie ein Hänfling der unter Schwindsucht litt. Nachdem sie den Begrüßungsformalitäten genüge getan hatten deutete Mandrack auf Tarles kleinen Koffer. „Mehr nicht? Wir werden lange unterwegs sein.“ Tarles lächelte leicht. „Ich weiß, der Rest kommt mit der letzten Ausrüstung mit. Wir haben noch ein paar Kleinigkeiten, die gerade erst fertig geworden sind. Hauptsächlich kleine leichte Kommunikationsgeräte und Ausrüstung für Steins Spezialeinheit.“ Nachdem sie eine weitere Rampe nach oben genommen und einen langen Gang hinter sich gelassen hatten, erreichten sie nun die Bugsektion des Luftschiffes. „Wir sind jetzt direkt hinter der Brücke, hier befindet sich auch ihre Kabine.“ Mandrack öffnete eine Tür auf der rechten Seite. Dahinter ging es in eine erstaunlich große Kabine, es gab sogar ein Fenster nach außen. Erstaunt schaute Tarles Mandrack an. „Ein Fenster? Von außen hat man aber keine Fenster gesehen. Wie das?“ Mandrack grinste breit. „Von außen kann man die Fenster auch nicht sehen. Auch die Fenster der Brücke kann man von außen nicht sehen und dass obwohl fast der ganze Bug ein einziges Fenster ist.“ Tarles nickte wie zur Bestätigung, ehe er in gespielter Verzweiflung sagte: „Ich glaube ich werde hier noch so die eine oder andere Überraschung erleben.“ Was Mandrack ein herzhaftes, lautes Lachen entlockte, bevor er Tarles kameradschaftlich auf den Rücken klopfte, was den dazu veranlasste kurz stöhnend in die Knie zu gehen und Mandrack von unten böse anzuschauen. Dessen einzige Reaktion darauf, daraus bestand in noch lautere Lachen auszubrechen. Mit leicht schmerzverzerrten Gesicht stöhnte Tarles: „Ich sehe schon, du wirst dich gut mit Stein und Andarax verstehen.“ Mandrack stellte daraufhin das Ohrenbetäubende Lachen ein und schaute Tarles mit leicht schräg gehaltenem Kopf aufmerksam an. Der kam sich auf einmal vor wie ein Kaninchen, dass versehentlich eine Einladung zum Essen, mit einer großen Schlange, angenommen hatte. „Wie sind die beiden denn so? Ich habe mich verpflichtet ihren Anweisungen Folge zu leisten, ohne sie zu kennen. Ich weiß nur, dass sie ihr Handwerk verstehen und das sie uns technisch in jeder Hinsicht überlegen sind. Ich wüsste gerne was mich und meine Leute erwartet.“

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert.


    Vor allem dann wenn sie im Verschluss eines Maschinengewehrs sitzt.



    //Hail sér pú // ok i bugum gódum // Pórr pik piggi // Odin pik eigi

  • Tarles nickte nachdenklich. „Kann man hier auch was zu trinken kriegen? Es lässt sich dann leichter reden.“ Schon war das Grinsen zurück. „Komm ich zeige dir wo.“ Mandrack drehte sich um und ging Richtung Tür, wobei er Tarles mit der Hand bedeutete ihm zu folgen. Durch den Gang ging es zurück in Richtung Rampe, dort ging es dann nicht nach unten, sondern nach oben und da über verschiedene Rampen und Gänge, weiter nach hinten. „Wir haben hier sogar eine richtige Bar und solange wir vor Anker sind kann man da den einen oder anderen guten Tropfen bekommen.“ Über eine Wendeltreppe ging es dann schließlich bis unter die Außenhaut. Die Bar befand sich kurz vor dem oberen Leitwerk. Wieder war die Hülle hier durchsichtig, so dass der Eindruck entstand man befände sich auf einer kleinen Plattform, nur nach vorne und nach hinten war der Blick durch eine Wand begrenzt die der Rundung der Außenhülle folgte. Vor der hinteren Wand gab es eine Theke, die ganz offensichtlich gut mit allen möglichen Spirituosen und anderen Getränken bestückt war. Mandrack deutete auf einen Tisch mit zwei Stühlen. „Setz dich, ich hole was Trinkbares.“ Mandrack nahm zwei Gläser vom Tresen, beugte sich vor und tastete mit konzentriertem Blick unter dem Tresen herum. „Aha, habe ich dich.“ Mit einem triumphierenden Grinsen hielt er eine Flasche in die Höhe und sagte dann mit verschwörerisch gesenkter Stimme, die man trotzdem bis zur Brücke, dreihundert Meter weiter vorne, hören konnte: „Das hier ist der beste Stoff den es gibt, darum muss ich den immer verstecken, sonst ist er ruck zuck leer.“ „Was ist ruck zuck leer, wenn du es nicht versteckst.“ Mandrack zog den Kopf ruckartig zwischen die Schultern. „Oh man, die hat gerade noch gefehlt.“ Mandrack drehte sich, ganz langsam mit eingezogenem Genick, zu dem Neuankömmling um, einer kleinen und zierlichen, eindeutig an diversen Rundungen, erkennbar weiblichen Gestalt. Die musterte ihn mit leicht schräggestelltem Kopf. Braune lange Locken umrahmten ein ebenmäßiges Gesicht, aus dem, zwei, leicht schräggestellte, grüne, mandelförmige Augen spöttisch zu funkelten schienen. Der sinnliche Mund mit den vollen Lippen war, zu einem ebenso spöttischen, Lächeln verzogen. Die die Hände in die Hüften gestützt, die Beine leicht gespreizt, stand sie mitten im Raum. Und obwohl sie Mandrack gerade mal bis zum Brustbein reichte und allerhöchstens 50Kilo wog, dominierte sie den ganzen Raum seit dem Augenblick ihres ersten Erscheinens. Mandrack schien einen Augenblick über etwaige Fluchtmöglichkeiten nachzudenken, bevor er mit einem tiefen Seufzer die Schultern nach unten sacken ließ. „Tarles, darf ich dir meine rechte Hand vorstellen, Daringa.“ Sie wandte sich Tarles zu und streckte ihm die Hand zur Begrüßung entgegen. Erstaunt stellte Tarles fest, dass ihr Händedruck dem von Mandrack in nichts nachstand. „Ich bin Daringa, und wie der alte Trampel schon sagte, seine rechte Hand.“ Und mit einem Zwinkern, dass Mandrack nicht sehen konnte, fügte sie hinzu: „Eher beide Hände und Hirn, ohne mich würde der Riesentrampel nichts auf die Reihe bekommen.“ Was Mandrack mit dem üblichen ohrenbetäubenden Lachen quittierte. Immer noch lachend angelte er, mit dem rechten Fuß, einen dritten Stuhl vom nächsten Tisch, nachdem er ein weiteres Glas vom Tresen geholt hatte. Denn Daringa hatte sich einfach grinsend seines alten Platzes bemächtigt als Mandrack sich zur Theke umgedreht hatte um noch ein Glas für sich zu holen, denn sein altes hatte sich Daringa auch genommen und wartete jetzt offensichtlich darauf, dass er es endlich füllen würde. Nachdem er allen etwas von der Flasche in die Gläser gegossen hatte prostete er Tarles und Daringa zu und nahm einen Schluck, den er dann, mit geschlossenen Augen, langsam und genießerisch, die Kehle herabrinnen ließ. Tarles, nippte zuerst vorsichtig an seinem Glas und bekam große Augen und meinte dann anerkennend. „OK, jetzt weiß ich zumindest warum du die Flasche so gut versteckt hast.“ Um dann genüsslich einen größeren Schluck zu nehmen, den er ebenso langsam die Kehle herabrinnen ließ, wie vor ihm Mandrack. „Ja, und mir wollte er nichts davon abgeben der Schuft.“ Mit gespielter Entrüstung schlug Daringa mit der geballten Faust gegen Mandracks Oberarm, der sie daraufhin, mit einem übertrieben jammervollen Gesichtsausdruck, stumm musterte während er sich zusammenkrümmte und mit der Hand, die offensichtlich schwer getroffene Stelle hielt. Nachdem er allen genug Zeit gegeben hatte ihn ausgiebig zu bedauern, fing er dann an zu jammern: „Aber, … aber, wenn du weißt wo die Flasche ist, dann ist sie immer gleich leer und ich muss verdursten.“ Daringa, die mit einer solchen Reaktion wohl nicht gerechnet hatte, schaute Mandrack völlig entgeistert an. Woraufhin dieser in sein obligatorisches, ohrenbetäubendes Lachen verfiel. Dann wurde er schlagartig wieder ernst. „Genug gelacht. Tarles, du wolltest mir was über Stein und Andarax erzählen. Ist ganz gut, dass du mit dabei bist Daringa, dann muss Tarles es nicht zweimal erzählen.“ Mandrack schaute Tarles erwartungsvoll an. „Leider muss ich dich enttäuschen Mandrack, ich weiß auch nicht mehr über die beiden, als im Allgemeinen bekannt ist. Sie gehören zu unseren neuen Verbündeten und befehligen wohl zusammen eine Spezialeinheit. Ich weiß, dass ihnen eine Technik zur Verfügung steht, die unserer um Generationen voraus ist. Ich kann sagen, dass wir in den Kisten die noch kommen außer hochentwickelte Kampfanzüge und Waffen noch einiges davon finden werden. Die Sachen sind heute früh mit dem Zug aus dem Süden gekommen. Wir wissen, dass Stein und Andarax irgendwo aus dem Süden unten kommen, wobei Andarax zu einem dort lebenden Stamm gehört, Stein hat ihn und einige andere vor den Sklavenjägern gerettet, die versucht haben im Süden Fuß zu fassen. Das wäre ihnen auch fast gelungen, selbst wir hatten schon eine Auseinandersetzung mit den Jägern gehabt. Dabei haben wir viele Menschen der südlichen Stämme befreien können. Die meisten siedeln sich jetzt bei unserer Hafenstadt an. Später haben Stein und Andarax das Sklavenjägerproblem recht endgültig gelöst munkelt man. Dann wäre da noch Botschafter Bitrok, mit dem wir den ersten Kontakt hatten. Botschafter Bitrok gehört wohl zu Steins Volk oder Stamm, aber der ist momentan in diplomatischer Mission unterwegs und nicht zu erreichen, Stein ist sein Stellvertreter und führt auch eine der Spezialeinheiten, die die Weißen das Fürchten gelehrt haben. Andarax ist irgendwie seine rechte Hand, allerdings wissen wir das nicht ganz genau. Was wir wissen ist, dass sie dicke Freunde sind, ich hatte damals die Aufgabe als Verbindungsmann zu dienen, genau wie bei diesem Einsatz auch. Was ich auf jeden Fall sagen kann, es sind unsere Freunde und Verbündeten. Sie werden nichts tun was uns schadet. Zurzeit bauen sie gerade einen Brückenkopf aus, von dem aus wir in absolut unbekanntes Gebiet vorstoßen werden. Wenn ich sage unbekannt, dann ist es genau so gemeint. Sie haben eine Art unterirdische Halle gefunden, allerdings hat diese ungeheure Ausmaße, da vermuten wir auch den Ursprungsort der Weißen. Steins Einheit hat entsprechende Hinweise gefunden, es gab im Vorfeld auch ein Gefecht, dass allerdings zu Gunsten der Spezialeinheit verlaufen ist, was da genau passiert ist weiß auch ich nicht. Tja, jetzt sollen wir hinfliegen und personelle Unterstützung mitbringen. Die Leute werden wir auf dem Flug darüber informieren, was wir wissen und was auf sie zukommt. Das wäre so ziemlich, dass was ich weiß, selbst die Großkoordinatorin hat keine weiteren Informationen über das, was uns dort erwartet.“ Erwartungsvoll schaute Tarles nach diesem Monolog erst Mandrack und dann Daringa an. Mandrack, schaute nachdenklich auf sein leeres Glas, dass er in der rechten Hand hielt und hin und her drehte, dann seufzte er vernehmlich und stellte das Glas auf den Tisch. Dann hob er den Kopf und schaute Tarles direkt an. „Das ist weniger als ich an Informationen erhofft habe, aber trotzdem mehr als ich erwartet habe.“ Er verstummte kurz, um sich dann mit beiden Händen auf die Oberschenkel zu klatschen und aufzustehen. „Gut, wir werden sehen. Jetzt sollten wir aber alle unsere Quartiere aufsuchen, morgen geht es früh los und von heute ist nicht mehr allzu viel übrig.“ Als er Tarles verzweifelt fragenden Blick sah, setzte er grinsend hinzu: „Vorher bringe ich dich noch zu deinem Quartier, ist ja nicht weit von meinem entfernt. Ich stelle bloß schnell noch die Gläser und die Flasche zurück.“

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  • Grelles Pfeifen ließ Tales hochschrecken. Er lag mitten auf den Schienen, wie gelähmt vor Entsetzen schaute er auf die gepanzerte Turbinenlock, deren Pfeifen ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. In wenigen Augenblicken würde, dass heranrasende, silbern blitzende, Ungetüm seinem Leben ein Ende setzen. Schicksalsergeben schloss er die Augen und erwartete den vernichtenden Aufprall, … wieder das Pfeifen, wieder öffnete er die Augen, er lag in einem Bett, allerdings nicht in seinem Haus am Stadtpark. Dieses Bett war nicht seins, auch der Raum war ihm fremd. Panisch setzte er sich auf, um gleich darauf stöhnend auf das Kissen zurückzusinken, als nämlich die Turbinenlock wohl doch mit seinem Kopf kollidierte und dann explodierte. Wieder das Pfeifen, nein kein Pfeifen eher ein Summen und warum lebte er noch, hatte die Lock ihn doch nicht erwischt? Wieder richtete er sich auf, diesmal allerdings langsam und vorsichtig. Wieder summte irgendwo etwas. Tarles drehte sich langsam so, dass er auf der Bettkante sitzen und seine Füße auf den Boden stellen konnte. Dann ließ er den Blick durch den Raum schweifen um herauszufinden was, jetzt zum wiederholten Mal, summte. Nach dem dritten Summen hatte er endlich die Quelle gefunden, die für das nervige Summen verantwortlich zeichnete. An der Wand neben der Tür blinkte ein kleines rotes Licht unter einer doppelt, handflächengroßen, rechteckigen dunklen Fläche. Bis er sich erhoben und zu dem Blinklicht geschleppt hatte summte es noch drei weitere Male. Das blinkende Licht entpuppte sich bei näherer Betrachtung, als Schaltfläche einer der neuen Kommunikationsanlagen. Er aktivierte das Gerät durch eine leichte Berührung der Schaltfläche und auf der Bildfläche erschien ein dunkles, breit grinsendes Gesicht. Schlagartig fiel ihm wieder ein wo er war und warum sein Kopf gleich wieder zu explodieren drohte. „Morgen Mandrack, nächstes Mal suche ich den Weg zu meiner Kabine selbst. Zum einen, weil ich dann länger schlafen kann und zum anderen, weil ich dann morgens nicht gleich von einer Turbinenlock überfahren werde.“ Das darauffolgende Lachen sprengte ihm fast den Schädel. „Dafür haben hast du aber gleich noch die Schiffsführung und die Kommandanten der anderen Einheiten kennengelernt. War doch noch ganz nett der Abend, oder?“ Mandrack strahlte ihn vom Bildschirm aus an. Tarles konnte sich dumpf erinnern, dass Mandrack mit Sicherheit gut das doppelte von dem getrunken hatte, was Tarles zu sich genommen hatte. Warum ging es ihm da so gut? Mit einem halb erstickt gegurgeltem: „Bin gleich wieder da.“ Hielt sich Tarles die Hand vor den Mund und taumelte Richtung Nasszelle um sich dann dort kräftig würgend über die Kloschussel zu beugen. Während er sich dort fast die Seele aus dem Leib kotzte, war Mandracks brüllendes Lachen aus dem Lautsprecher zu hören. Nachdem sich Tarles, etwas später, das Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen hatte ging es ihm etwas besser. Er verließ die Nasszelle und trat wieder an die Kommunikationseinheit, wo er Mandrack mit bösem Blick musterte, was dieser mit einem erneuten Lachen quittierte. Kurz angebunden fragte er: „Und, was ist?“ Mandrack meinte lachend: „Ich dachte mir schon so was, so wie du zugeschlagen hast. Komm rüber zur Medoabteilung, da unternehmen wir dann was wegen deinem Kopf. Oder geht‘s dem gut?“ Tarles überlegte kurz, ob er seinem Stolz folgen und das Angebot dankend ablehnen sollte. Er entschied sich dann dazu auf den Stolz zu verzichten und etwas gegen die Kopfschmerzen zu unternehmen, denn im Grund war er ja selbst schuld an der Misere. Daringa hatte ihn mehrmals vor den Folgen gewarnt, wenn er versuchen würde mit Mandrack mitzuhalten. Jetzt verdammte er sich dafür, nicht auf sie gehört zu haben. Vorsichtig nickte er dem Bild Mandracks zu, und fragte nachdem der Schmerz etwas nachgelassen hatte. „Wo muss ich hinkommen?“ Mandrack zeigte diesmal etwas Mitleid und verzichtete auf sein lautes Lachen, mit breitem Grinsen erwiderte er: „Einfach zur Tür raus, die nächste Tür gegenüber ist eine kleine Medoabteilung, ich warte da auf dich.“ Nachdem Mandracks Bild vom Schirm verschwunden war, schaute Tarles nach seinem Koffer, zum Auspacken war er ja noch nicht gekommen. Er suchte sich schnell ein paar frische Sachen zum Anziehen raus und verließ, nachdem er sich neu eingekleidet hatte seine Kabine. Mandrack stand schon grinsend in der Tür gegenüber. Nach dem er Tarles Platz zum Eintreten gemacht hatte deutete er auf einen Stuhl. „Setz dich da hin, ich hole die Sauerstoffmaske.“ Tarles schaute ihn fragend an. „Fünf Minuten reinen Sauerstoff und die Kopfschmerzen sind weg.“ Grinste Mandrack ihn an, als er ihm die Maske reichte. „Ist ein altes Hausmittel.“ Dann beugte er sich zu Tarles und flüsterte grinsend mit einem Zwinkern: „Und hat mir bisher immer geholfen. Auch heute wieder. Sag‘s aber nicht weiter, ich habe einen Ruf zu verlieren.“ Zehn Minuten später verließen die beiden die Medoabteilung und betraten gleich darauf die vordere Brücke. Obwohl Tarles sich vorgenommen hatte, sich nicht mehr überraschen zu lassen, musste er doch schlucken. Die gesamte vordere Hülle des Luftschiffs war von innen nicht zu sehen. Es war als stände man auf einer Gläsernen Balustrade direkt im Freien. Der Steuerstand ragte wie ein gläserner Löffel aus der Balustrade nach vorne. Auf der Verbreiterung waren drei große Kontursessel montiert. Über den Sitzen waren mehrere Bildschirme so angeordnet, dass sie von jedem der drei Plätze bequem einzusehen waren. Wie, und wo die Schirme aufgehängt oder befestigt waren konnte Tarles nicht feststellen. Es war als schwebten sie einfach in der Luft. Nachdem sie über den Steg an die Sitze herangetreten waren, konnte Tarles die in den verlängerten Armlehnen untergebrachten Steuerelemente sehen. „Die Steuerung des Luftschiffs, kann von allen drei Sitzen aus durchgeführt werden. Ebenso könnte von hier aus auch eines der anderen Luftschiffe gelenkt werden, falls dies erforderlich wäre. Hier arbeitet der Steuermann, der zweite Steuermann und der Diensthabende Ingenieur. Der Rest der Brückenbesatzung verteilt sich über die drei Balustraden hinter uns. Ihr werdet euch während des Fluges sicher noch kennenlernen. Wir haben auch eine Art von Rechenmaschine an Bord, die alles überwacht und notfalls Eingabefehler korrigiert. Sie soll sogar in der Lage sein das Luftschiff, notfalls auch ohne Besatzung, fliegen zu können. Es ist wie mit der Hülle der Schiffe, wir wissen das sie da sind und funktionieren, wissen aber nicht warum. An Bord jedes der drei Luftschiffe sind einige Spezialisten aus dem Süden, die versuchen zumindest der Besatzung zu erklären wie alles funktioniert.“ Nachdem beide wieder die Balustrade erreicht hatten führte Mandrack Tarles zu einer Wendeltreppe an der Rückseite der Balustrade. Über die Treppe erreichten sie die obere Balustrade. Auch hier gab es einen Vorsprung der aus dem vorderen Teil der Balustrade in den freien Raum hinausragte. Und auch hier befanden sich drei Kontursessel über denen eine Anordnung von Bildschirmen schwebte. Erstaunt registrierte Tarles, dass die Ausbuchtung von unten nicht zu sehen war, obwohl sie sich genau über der Stelle befand an der der Steg zum Steuerstand begann. Er schaute Mandrack fragend an. „Wie kann das sein, von unten habe ich die Sessel nicht gesehen, obwohl sie sich mehrere Meter vor der oberen Galerie befinden?“ Mandrack Schüttelte wie verneinend mit dem Kopf und hob dann Hände und Schultern. „Ich weiß es auch nicht, dass ist auch so ein Geheimnis wie die Rechenmaschine und die von innen durchsichtige Hülle. Und das sind bei weitem nicht die Einzigen, du wirst schon sehen.“ Er winkte Tarles mit der Hand ihm zu folgen und ging langsam und wie Tarles meinte, ein wenig zögerlich zu den drei Sesseln. Aufatmend ließ er sich in den mittleren fallen und bedeutete Tarles sich rechts neben ihn zu setzen. „Das hier sind unsere Plätze, wenn du nach oben schaust siehst du die verbleibende Zeit bis zum Start, das sind jetzt noch knapp zwei Stunden.“ Er deutete dabei auf die Monitore über den Sesseln. Dort sprang die rote Anzeige gerade von 02:47 auf 02:46 wobei ein deutliches klicken zu hören war. Mandrack betätigte einen der vielen Schalter auf der verlängerten Armlehne seines Sessels. Ein in viele Bereiche unterteiltes Anzeigefeld, materialisierte sich aus dem Nichts vor den drei Sesseln. Vielfach liefen Schriftbänder und Zahlen über die verschiedenen Anzeigen, es gab grüne, gelbe, rote und blau Anzeigeflächen, immer wieder wurden die Anzeigen von Aufnahmen aus allen Bereichen des Luftschiffes überdeckt um dann, nach einer Weile, wieder den alten Anzeigen Platz zu machen. Meist hatten sich dann deren Farbe verändert. Meist von Rot zu gelb, ab und zu auch von gelb zu grün. Blau wurde immer mehr von Rot ersetzt um dann erst über gelb auf grün zu wechseln. Mandracks Stimme riss Tarles aus der fast hypnotischen Starre mit der er das flimmern der Anzeigen betrachtet hatte. „Wenn alle Felder grün sind, dann geht’s los. Ich habe das ganze schon ein paar Mal gesehen, aber es ist immer noch faszinierend und gleichzeitig verwirrend. Die Hauptsache ist aber, dass das Luftschiff funktioniert, wie ist mir egal, dass verstehe ich sowieso nicht.“ Er schaute hoch. „Es ist gleich soweit, die Zahlen sind gleich grün, wir könnten dann starten, auch wenn die Uhr noch nicht Null zeigt.“ Tarles schaute nach oben. Die Uhr zeigte 00:11 in gelben Ziffern. In dem Augenblick als die Ziffern auf 00:10 sprangen ging ein leichter Ruck durch das Schiff und alles schien leicht zu vibrieren. „Pass auf, gleich passiert es, nicht erschrecken.“ Tarles schaute fragend zu Mandrack, der deutete mit dem Kopf nach vorne zum Bub des Schiffes. Bei 00:07 Gab es dann einen merkbaren Ruck und mit lautem Knistern überzog ein dichtes Netz kleiner blauer Entladungen den sichtbaren Teil der Außenhülle. Eine Stimme ertönte von überall her: „Hülle polarisiert, Versorgungsleitungen werden abgetrennt.“ Mehrere harte Schläge liefen durch das Schiff, dann war so etwas wie ein leichtes Schwanken zu spüren. Tarles blickte in Richtung Steuerstand, alle drei Sessel waren besetzt. Er hatte nicht mitbekommen wann und wie das geschehen war, so war er mit der Anzeige beschäftigt gewesen. Daringa hatte auf dem mittleren der Kontursitze Platz genommen, also fungierte sie als erster Steuermann, die beiden anderen, rechts und links von ihr, meinte er gestern Abend irgendwann kurz gesehen zu haben, sicher war er sich dabei jedoch nicht. Die Uhr sprang klickend auf null, wieder kam die Stimme aus dem Nichts. „Startvorbereitungen abgeschlossen, alle Systeme zeigen Grün wert, Manöver und Schubdüsen freigegeben.“ Tarles sackte der Magen nach unten, gleichzeitig hatte er das Gefühl schwerer zu werden. Der Boden fiel nach hinten, unten weg. Wenige Augenblicke später waren die Dächer der Gebäude zu sehen, die immer kleiner wurden. Die Bildschirme über seinem Kopf erwachten zum Leben. In separaten Feldern waren jeweils die anderen beiden Luftschiffe zu sehen die dem Führungsschiff in einigem Abstand rechts und links versetzt folgten. Ein weiterer Bereich zeigte die Region hinter dem Luftschiff, während vor dem Bug gerade das andere Ufer des Flusses auftauchte konnte man auf dem Heckbildschirm schon fast die ganze Stadt überblicken. Langsam begann der Druck nachzulassen, bis nichts mehr zu spüren war, dass das Schiff sich überhaupt bewegte war nur an der, langsam unter dem Rumpf nach hinten wandernden, Landschaft zu sehen. Sie waren unterwegs.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert.


    Vor allem dann wenn sie im Verschluss eines Maschinengewehrs sitzt.



    //Hail sér pú // ok i bugum gódum // Pórr pik piggi // Odin pik eigi